Für einen freien Iran – und gegen unsere moralische Schieflage (mit Ansage)

Im Iran wird gerade nicht „diskutiert“. Im Iran wird gerade gekämpft – auf der Straße, im Dunkeln, unter Kameras, die ausgeschaltet werden sollen. Und wer bei so etwas neutral tun will, tut nur so, als wäre ihm Würde ein Luxusartikel.

Seit Ende Dezember gehen Menschen im Iran landesweit auf die Straße. Aus wirtschaftlicher Verzweiflung wurde vielerorts offene Systemkritik. Und wie reagiert ein Regime, das seine eigene Bevölkerung fürchtet? Mit Gewalt, mit massenhaften Festnahmen, mit Drohungen – und mit dem Versuch, die Wirklichkeit zu löschen, indem man den Zugang zur Wirklichkeit kappt.

Das ist keine Metapher. Iran hat einen landesweiten Internet-Blackout erlebt; NetBlocks meldete massiven Einbruch der Konnektivität, Reuters berichtete darüber in direkter Verbindung zu den Protesten. () Selbst iranische Filmschaffende bezeichneten die Abschaltung öffentlich als „Werkzeug der Repression“, um Gewalt zu verbergen. ()

Das ist der Kern: Erst schlagen. Dann das Licht aus.

Und jetzt komme ich zu dem Teil, der wirklich weh tun muss – weil er uns betrifft.

Wir leben in einer Epoche der moralischen Lautsprecher. Für manche Themen reichen ein paar Schlagworte, und schon marschiert eine Empörungs-Armee los, Tag für Tag. Man kann das für engagiert halten, man kann es für naiv halten, man kann es für instrumentalisiert halten – aber man kann es nicht übersehen.

Und dann gibt es Momente, die sind wie ein Lackmustest. Der Iran ist so ein Moment.

Denn wenn Menschen im Iran gegen ein theokratisches Gewaltregime aufstehen – gegen eine Ordnung, die im Kern auf Unterwerfung beruht –, dann müsste gerade jene Szene laut sein, die sich sonst gern als moralische Avantgarde inszeniert. Feministisch. Progressiv. Menschenrechtlich. Antiautoritär. Das ist doch eigentlich ihr Terrain.

Und trotzdem ist es in auffällig vielen Ecken plötzlich still. Nicht überall. Ich rede nicht von „allen“. Ich rede von einem Muster, das man nicht mehr wegwischen kann.

Warum diese Stille?

Weil es einen Reflex gibt, der wie Rost in Teilen unserer politischen Kultur sitzt: Alles, was „gegen den Westen“ steht, wird automatisch als Widerstand verklärt. Und wenn ein Regime antiwestliche Parolen brüllt, wird es von manchen fast schon als „Gegengewicht“ romantisiert – selbst dann, wenn dieses Regime Frauen entrechtet, Oppositionelle einsperrt und Proteste niederknüppelt.

Das ist keine Linke, das ist keine Gerechtigkeit, das ist keine Solidarität. Das ist Ideologie. Und Ideologie ist eine Maschine, die Menschen frisst und sich dabei für moralisch hält.

Es ist grotesk: Im Iran kämpfen Menschen gerade für genau jene Dinge, die man hierzulande auf Transparenten herumträgt – Freiheit der Rede, Schutz vor staatlicher Willkür, Würde des Individuums, das Recht, nicht als Eigentum einer religiösen Ordnung zu gelten. Und trotzdem rutscht dieses Thema bei vielen aus dem Fokus. Weil es das bequeme Weltbild stört, in dem die Welt wie ein Schachbrett funktioniert: hier die Guten, da der Westen, und wer gegen den Westen ist, muss irgendwie „gut“ sein.

Nein. So funktioniert Moral nicht. So funktioniert nur Lagerdenken.

Und währenddessen eskaliert die Lage vor Ort. Internationale Medien berichten von einer Ausweitung der Proteste, von Toten und vielen Festnahmen, von zunehmender Härte der Staatsorgane. ()

Es gibt inzwischen klare internationale Worte. Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben in einer gemeinsamen Erklärung die Tötung von Demonstrierenden verurteilt und Teheran zur Achtung grundlegender Rechte aufgefordert. () Die EU-Spitze sprach von einer „unverhältnismäßigen“ und „heavy-handed“ Reaktion. ()

Gut. Aber gut reicht nicht. Denn ein Regime, das das Internet abschaltet, um Gewalt unsichtbar zu machen, hat eine Sprache, die es versteht: Kosten. Druck. Konsequenzen.

Und ja, das ist der Punkt, an dem man aufhören muss, sich hinter Floskeln zu verstecken.

Wer jetzt noch so tut, als sei das alles „komplex“ und man dürfe „keine Seite“ wählen, wählt bereits eine Seite: die der Untätigkeit. Und Untätigkeit ist das bequemste Bündnis mit dem Stärkeren.

Was nötig ist, ist keine Kriegstrommel. Was nötig ist, ist Klarheit plus Handeln:

Gezielte Sanktionen gegen Verantwortliche der Repression (nicht gegen die Bevölkerung). Konsequente Öffentlichkeit, damit der Blackout nicht gewinnt. Unterstützung freier Kommunikation, damit Zeugenschaft möglich bleibt. Und Schutz für Verfolgte – nicht irgendwann, sondern jetzt.

Denn das ist die bittere Wahrheit: Wenn das Licht ausgeht, stirbt zuerst die Information. Dann stirbt die Hoffnung. Dann sterben Menschen.

Ich bin wütend, weil unsere Empörung so oft nach Mode funktioniert. Weil man „Freiheit“ sagt, aber „Freiheit“ meint: die Freiheit, sich nur dort zu empören, wo es ins eigene Lager passt. Weil viele in Deutschland schneller wissen, wogegen sie sind, als wofür sie stehen.

Und deshalb schreibe ich das hier.

Für die Menschen, die im Iran auf den Straßen stehen, während wir uns in Talkshows verheddern. Für die, die nicht wissen, ob sie heute Abend nach Hause kommen. Für die, die trotzdem rausgehen.

Für einen freien Iran. Jetzt.

Nicht als Trend. Nicht als Narrativ. Nicht als moralische Kulisse. Sondern als Minimum an Anstand.

Gedanken zum Jahrestag des 7. Oktober 23

Zwei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 stehen wir wieder vor einer Zahl, vor Bildern, vor einer Narbe, die nicht verheilt. Der Jahrestag ist kein Datum fürs Archiv, sondern eine laufende Prüfung: Was haben wir gelernt, was haben wir verdrängt, was sind wir bereit zu schützen?

Am Morgen des 7. Oktober verübte Hamas einen beispiellosen Terrorangriff auf Israel: rund 1.200 Ermordete, Hunderte Verschleppte. Dieses Faktum ist nicht umstritten – und es ist der dunkle Anfang der Kaskade, die folgte. Israel begann den Krieg gegen Hamas; seither reißen die Debatten um Verantwortungen, Verhältnismäßigkeit, Recht und Ethik nicht ab. Noch heute werden Dutzende Geiseln in Gaza geführt; offizielle Stellen nennen aktuell 48 Verbliebene (ein Teil davon vermutlich tot). Für die Angehörigen ist jeder Jahrestag eine weitere Nacht ohne Antwort. (Encyclopedia Britannica)

Der Krieg hat die Region, und mit ihr auch uns, auf eine neue Temperatur erhitzt. Neben den politischen Linien (Koalitionen, Strafverfahren, UN-Beschlüsse) brennt vor allem die menschliche Bilanz: zerstörte Städte, Hunger, Traumata auf beiden Seiten. Man muss zwei Dinge gleichzeitig halten können, ohne in Parolen zu flüchten: die Realität des Massakers vom 7. Oktober – und die Realität einer humanitären Katastrophe in Gaza. Wer eines löscht, verrät das andere. (Das ist schwer. Es ist trotzdem nötig.)

Der Blick nach vorn: Was taugt der neue „Trump-Plan“?

Seit Tagen verdichten sich die Berichte: indirekte Gespräche zwischen Israel und Hamas in Scharm el-Scheich; vermittelt von den USA, Ägypten und Katar. Der Auslöser ist ein von Präsident Trump vorgelegter Vorschlag – teils als „20-Punkte-Plan“ beschrieben –, der in Phase 1 einen Waffenstillstand, die Freilassung der Geiseln und einen massiven humanitären Zugang vorsieht. Beide Seiten haben – so die Berichte – grundsätzlich signalisiert, auf dieser Basis zu reden. Das ist kein Frieden. Aber es ist ein Fenster. (Reuters)

Was unterscheidet das jetzige Papier von früheren Entwürfen? Erstens die Dringlichkeit: Die Geiselfrage wird nach vorne gezogen, mit klaren Zeitschnitten und Austauschmechanismen. Zweitens die Verknüpfung von Pause und Lieferkorridoren (Nahrung, Medizin, Wiederaufbau-Vorbereitung). Drittens – und hier wird es heikel – die Bedingungen im Hintergrund: Abzugsszenarien, Entwaffnung und die Frage, wer Gaza danach verwaltet. Genau hier sind die Gräben tief: Israel spricht von „Sicherheitsnotwendigkeiten“; Hamas will Garantien gegen einen Dauerzustand der Kontrolle. Skepsis bleibt – und sie ist gesund. (Reuters)

Zur Einordnung hilft ein Blick zurück: Der „Peace to Prosperity“-Plan (2020) aus Trumps erster Amtszeit war ein großflächiges Architekturpapier (Grenzen, Sicherheitsregime, Investitionspaket) und galt vielen Palästinensern als einseitig. Der neue Ansatz wirkt schmaler, operativer: Feuerpause, Geiseln, Hilfe – jetzt; Governance-Fragen werden nicht geleugnet, aber nicht mehr vorab zementiert. Ob diese Sequenzierung klüger ist, entscheidet sich nicht in Pressekonferenzen, sondern auf den Korridoren, an den Übergängen, in den Krankenhäusern. (trumpwhitehouse.archives.gov)

Realismus gehört zur Nüchternheit: Schon heute melden Beobachter, dass Militärschläge nicht völlig ausgesetzt sind, dass Misstrauen auf beiden Seiten jede Unterschrift schwer macht und dass Maximalforderungen (z. B. vollständige Entwaffnung vs. vollständiger Rückzug) die Verhandlungen am Glasrand festhalten. Und doch – wer am Jahrestag nur sagt: „Das klappt nie“, arbeitet ungewollt am Denkmal der Hoffnungslosigkeit mit. Politik braucht Anker: messbare Schritte (Hostage-Release, Korridor-Öffnungen, lokal überprüfbare Pausen). Jeder gelungene Schritt macht den nächsten weniger unwahrscheinlich. (Reuters)

Was heißt das für uns – jenseits der Schlagzeile?

  1. Ethische Zweifachbindung: Wir können den 7. Oktober als Terror benennen und uns zugleich verpflichten, ziviles Leid in Gaza zu lindern. Das ist keine „Beidseitigkeit“, sondern Zivilisationspflege.
  2. Wahrheit in Schichten: Nicht jede Zahl in der Timeline hält; aber Kerne sind solide – Opferzahlen in Israel, die anhaltende Geiselhaft, die dokumentierte Not in Gaza. Wer debattiert, sollte Quellen nennen und Kausalitäten sauber trennen.
  3. Prüfrahmen statt Parolen: Wenn ein Plan kommt (dieser oder ein nächster), prüfen wir Reihenfolge, Überprüfbarkeit und Rückfallebenen. Papier ist nicht Frieden. Aber kluges Papier spart Leben.

Man kann, wenn man will, zynisch sein. Man kann auch sagen: Vielleicht ist genau am Jahrestag der Moment, an dem wir die Stimmen senken und die Maßstäbe heben. Wer den 7. Oktober begreift, weiß: Ohne Geiseln heim, kein Morgen. Wer Gaza sieht, weiß: Ohne Hilfe rein, kein Morgen. Zwischen diesen beiden Sätzen spannt sich die Brücke, die Politik zu bauen hat – mit Stahl aus Recht und Beton aus Vertrauen, nicht aus Schlagworten.

Und wir? Wir können erinnern, ohne zu versteinern. Wir können streiten, ohne zu verrohen. Wir können prüfen, ohne zu zersetzen. Ich wünsche mir, dass genau das unser Ton wird, wenn wir in den nächsten Wochen wieder Nachrichten lesen, Karten sehen, Gerüchte hören. Vielleicht ist die beste Ehrerbietung an die Toten dies: die Lebenden zu schützen – mit offenen Augen, offenen Quellen, offenem Herz.


Hinweis/Quellen: Überblick zum 7. Oktober und zur Geiselzahl: Britannica, Gov.il/AJC. Aktuelle Berichte zu den Ägypten-Gesprächen und zum „Trump-Plan“: Reuters, CBS, PBS; Einordnung des Plans von 2020: Archivdokument/Analysen. (Auswahl siehe Quellenangaben der jeweiligen Medienberichte.) (Encyclopedia Britannica)


Zum Weiterlesen – „Verlorene Wahrheiten“ von Rami David:
Ein kompaktes Sachbuch, das Begriffe klärt, Mythen prüft und einen Prüfrahmen für Nachrichten und Debatten anbietet. Für alle mit wenig Zeit und vielen Fragen. (Kindle & Taschenbuch.) Leise fängt es an.

War der 7. Oktober ein Insiderjob? Nein!


Warum die Verschwörungstheorie vom „Insiderjob“ unhaltbar ist

Seit dem schrecklichen Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 kursieren in sozialen Medien und fragwürdigen Ecken des Internets immer wieder abstoßende Behauptungen: Der Angriff sei kein Versagen der Geheimdienste gewesen, sondern ein „Inside Job“. Die israelische Regierung, so die Theorie, hätte die Hamas absichtlich gewähren lassen, um einen Vorwand für eine Invasion des Gazastreifens zu haben oder um die politische Agenda von Premierminister Netanjahu zu sichern.

Diese Behauptung ist nicht nur eine schamlose Verharmlosung der Brutalität, die an diesem Tag stattfand, sondern auch in sich völlig unlogisch. Wer die Fakten betrachtet, erkennt schnell, dass diese Verschwörungstheorie jeglicher Grundlage entbehrt.

1. Das Ausmaß und die logische Absurdität

Der 7. Oktober war der tödlichste Tag in der Geschichte Israels. Über 1.200 Menschen, darunter Hunderte von Zivilisten, wurden auf brutalste Weise ermordet. Mehr als 250 Menschen wurden als Geiseln verschleppt. Die Angreifer verwüsteten ganze Gemeinden, von Kibbuzim bis zu einer Musikveranstaltung. Die Idee, dass eine Regierung vorsätzlich so ein Trauma herbeiführen würde, um einen Kriegsgrund zu haben, ist moralisch und rational absurd. Ein Krieg kann auch mit einem viel kleineren Vorwand gerechtfertigt werden, der nicht den Tod Hunderter eigener Bürger erfordert.

2. Das eklatante Versagen der Geheimdienste

Unmittelbar nach dem Angriff wurde die Unfähigkeit der israelischen Geheimdienste, den Angriff vorherzusehen oder zu verhindern, zum zentralen Thema. Zahlreiche Berichte und interne Untersuchungen belegen ein klares und systemisches Versagen. Es gab Warnungen, die ignoriert wurden, Überwachungssysteme versagten, und die militärische Reaktion war in den ersten Stunden chaotisch.

Der israelische Militärgeheimdienst, der Inlandsgeheimdienst Shin Bet und auch die Regierung selbst haben dieses Versagen öffentlich eingeräumt. Hochrangige Beamte und Minister übernahmen Verantwortung, und es wurden bereits Konsequenzen angekündigt. Diese umfassende und öffentliche Aufarbeitung steht im krassen Gegensatz zur Theorie eines „Insiderjobs“. Warum sollte ein Geheimdienst ein geplantes Ereignis als eigenes katastrophales Versagen darstellen, wenn es doch Teil des Plans war?

3. Das politische Risiko für Netanjahu

Die Verschwörungstheorie stellt oft die Behauptung auf, Premierminister Benjamin Netanjahu hätte den Angriff inszeniert, um seine politische Karriere zu retten. Ironischerweise hat der 7. Oktober seine politische Position massiv geschwächt, nicht gestärkt. Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung macht ihn und seine Regierung für das Versagen verantwortlich. Massendemonstrationen fordern seinen Rücktritt. Die Vorstellung, er habe diesen Albtraum herbeigeführt, um seine Macht zu sichern, ignoriert die Realität seiner geschwächten politischen Position vollständig.


Der wahre Grund für den Angriff: Die Normalisierungsbemühungen der Region stoppen

Die Behauptung, Israel habe den Angriff inszeniert, verkennt völlig die tatsächliche Motivation der Hamas. Sie ist in einem spezifischen regionalen und diplomatischen Kontext zu sehen, der für die Terrororganisation eine existenzielle Bedrohung darstellte.

1. Die Bedrohung durch die Abraham-Abkommen

In den Jahren vor dem Angriff hatte die Normalisierung Israels mit arabischen Staaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Sudan und Marokko durch die Abraham-Abkommen Fahrt aufgenommen. Für die Hamas, die in ihrer Charta die Zerstörung Israels festgeschrieben hat, war diese Annäherung eine Katastrophe. Sie sah sich in ihrer eigenen Ideologie der totalen Konfrontation marginalisiert.

2. Die drohende Normalisierung mit Saudi-Arabien

Zum Zeitpunkt des Angriffs waren die Bemühungen, einen ähnlichen Normalisierungsvertrag mit Saudi-Arabien auszuhandeln, weit fortgeschritten. Ein solcher Deal wäre ein Erdbeben in der regionalen Politik gewesen, hätte Israel in die arabische Staatengemeinschaft integriert und die Vormachtstellung des Irans, der die Hamas unterstützt, weiter geschwächt. Für die Hamas war dies die größte Bedrohung ihrer Existenz.

3. Der Angriff als strategischer Schachzug der Hamas

Der brutale Überfall der Hamas war ihr einziger Weg, diese Entwicklungen zu torpedieren. Indem sie ein Massaker inszenierten, das eine massive israelische Militäroperation provozieren musste, konnten sie:

  • Die Normalisierungsgespräche mit Saudi-Arabien stoppen. Saudi-Arabien, als Hüter der heiligen Stätten, konnte keine diplomatische Annäherung mit einem Land fortsetzen, das eine militärische Operation in Gaza durchführt.
  • Die palästinensische Frage wieder in den Fokus rücken. Die Hamas konnte sich als einzige Verteidigerin der palästinensischen Sache inszenieren und die palästinensische Bevölkerung, die sich von den arabischen Staaten im Stich gelassen fühlte, hinter sich vereinen.
  • Die israelische Gesellschaft spalten und die israelische Armee bloßstellen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Hamas-Angriff war kein „Job“ von irgendjemandem, und schon gar nicht von der israelischen Regierung. Er war ein brutaler, nichtprovozierter Terrorangriff, der die sich anbahnende diplomatische Ordnung des Nahen Ostens zerstören sollte. Jede andere Erzählung ist eine Beleidigung für die Opfer und eine Verharmlosung der schrecklichen Realität.

Bin Laden, Hamas und die Doppelmoral der Weltöffentlichkeit

Als am 2. Mai 2011 US-Spezialkräfte Osama bin Laden in Pakistan töteten, gab es Jubel in Washington, stehende Ovationen im Kongress und eine Flut von „Justice has been done“-Schlagzeilen. Die Tatsache, dass die USA dabei ungefragt in ein fremdes Staatsgebiet eindrangen, wurde von den meisten Medien und Regierungen schlicht hingenommen. Schließlich galt bin Laden als Symbolfigur des Terrors, als Hauptverantwortlicher für die Anschläge des 11. September.

Vierzehn Jahre später wiederholt sich die Geschichte – nur mit vertauschten Rollen. Diesmal war es Israel, das die Köpfe der Hamas in Katar ausschaltete. Eben jene Hamas-Führung, die den 7. Oktober 2023 plante und befahl – ein Massaker, das in seiner Grausamkeit mit den dunkelsten Kapiteln des 20. Jahrhunderts verglichen werden muss. Doch die Reaktion der Welt ist eine andere: Empörung, Verurteilungen, Rufe nach „Zurückhaltung“ und die altbekannten Vorwürfe gegen Israel.

Hier offenbart sich eine gefährliche Doppelmoral. Was „uns“ erlaubt ist, wird Israel verweigert. Wo die USA als „Verteidiger der Freiheit“ gelten, wird Israel zum „Aggressor“ erklärt. Diese Diskrepanz zieht sich durch Jahrzehnte der Berichterstattung und politischen Urteile.

Die Rolle Katars und Pakistans

Katar ist nicht nur ein luxuriöser Wüstenstaat, der sich mit Fußball-WM und Al Jazeera ein globales Image erkauft hat. Es ist auch einer der wichtigsten Unterstützer islamistischer Bewegungen, von den Taliban bis zur Hamas. Dass die Hamas-Führung seit Jahren in Katar lebt, ist kein Geheimnis – sie residiert in Doha in Villen, während die Bevölkerung in Gaza leidet.

Pakistan wiederum war das Land, das Osama bin Laden bis zuletzt schützte. Offiziell will niemand im Sicherheitsapparat etwas gewusst haben, doch bin Laden lebte nicht in einer Höhle, sondern in einer Villa in Abbottabad – direkt neben einer Militärakademie.

Beide Länder verbindet also eines: Sie dienen als Rückzugsraum für Terrororganisationen, während sie gleichzeitig international hofiert werden. Katar kassiert Milliarden aus Europa, Pakistan erhält Hilfsgelder und militärische Unterstützung.

Warum die Empörung nur Israel trifft

Die Empörung über Israels Aktion ist daher nicht nur unlogisch, sie ist auch zutiefst ungerecht. Wer die Tötung bin Ladens begrüßte, kann nicht gleichzeitig die Beseitigung der Hamas-Führung verdammen. Beide waren Anführer von Terrornetzwerken, beide lebten unter dem Schutz von Staaten, die damit bewusst internationales Recht missachteten.

Der Unterschied liegt einzig und allein darin, dass Israel der Handelnde ist. Das kleine Land, das seit seiner Gründung unter Dauerbeschuss steht, wird mit anderen Maßstäben gemessen als die Großmacht USA. Wo Washingtons Gewaltakte als „notwendige Selbstverteidigung“ gelten, werden Jerusalems Aktionen als „Eskalation“ verurteilt.

Die Frage, die bleibt

Man muss keine israelische Politik in jedem Detail gutheißen, um diese Ungleichbehandlung zu erkennen. Sie hat ihre Wurzeln in jahrzehntelangem Antisemitismus, in verzerrter Berichterstattung und in der geopolitischen Bequemlichkeit, Israel zum Sündenbock zu machen.

Doch die entscheidende Frage lautet: Wenn die Weltgemeinschaft nicht bereit ist, Israel die gleichen Rechte auf Selbstverteidigung zuzugestehen, die sie den USA selbstverständlich zugesteht – wie ernst meint sie es dann mit „Nie wieder Terror“?

Denn wer den 7. Oktober nicht verstanden hat, wer die Täter schützt und die Opfer kritisiert, macht sich mitschuldig am nächsten Blutbad.

Zwischen Zahl und Zeugnis:

Warum westliche Medien so oft Hamas-Zahlen zitieren – und was das bedeutet

Es ist eine merkwürdige Szene: Nachrichtenmeldungen über Gaza beginnen fast reflexartig mit einer Zahl, geliefert vom „Gesundheitsministerium in Gaza“. Wer genau hinhört, merkt selten, dass es sich nicht um eine neutrale Behörde handelt, sondern um eine Institution, die von der Hamas kontrolliert wird – also von genau jener Terrororganisation, die Israel am 7. Oktober überfallen, tausende Raketen auf zivile Gebiete abgefeuert und in ihrem Programm die Vernichtung des jüdischen Staates festgeschrieben hat.

Warum also zitieren westliche Medien diese Zahlen, oft ohne große Distanz?


Der Mechanismus

  • Zugang: Seit Beginn des Krieges ist es für internationale Reporter fast unmöglich, sich frei in Gaza zu bewegen. Sie sind auf lokale Stringer angewiesen oder auf offizielle Stellen. Wer schnelle Zahlen will, hat faktisch nur eine Quelle: das von Hamas kontrollierte Ministerium.
  • Institutionelle Praxis: UN-Stellen und NGOs geben diese Zahlen weiter – meist mit Hinweis auf die Quelle und der Bemerkung „nicht unabhängig verifiziert“. Viele Redaktionen übernehmen diese Form, teils ohne den Hinweis deutlich zu machen.
  • Track Record: In früheren Konflikten stimmten die Gesamtzahlen in etwa mit späteren UN-Erhebungen überein. Doch bei der Aufschlüsselung – Frauen, Kinder, Kämpfer – gab es massive Differenzen.
  • Schnelligkeit vor Sorgfalt: Der Fall des Al-Ahli-Krankenhauses ist berüchtigt. Zuerst meldete das „Ministerium“ Hunderte Tote nach einem israelischen Angriff. Später belegten Bildanalysen und westliche Geheimdienste, dass eine fehlgeleitete Rakete aus Gaza selbst die Explosion verursacht hatte. Viele Medien korrigierten – aber der erste Eindruck blieb.

Die blinden Flecken

Es ist nicht Naivität allein. Viele Redaktionen folgen strengen Sprachregeln: Worte wie „Terrorist“ gelten als wertend und werden nur mit Attribution benutzt („von der EU/USA als Terrororganisation eingestuft“). So entstehen Begriffe wie „Militants“ oder „Kämpfer“ – Begriffe, die in westlichen Ohren wie eine reguläre Armee klingen, nicht wie eine Mörderbande.

Hinzu kommt, dass Journalismus die Verlockung der Zahl liebt. Eine Zahl klingt konkret, messbar, überprüfbar. Sie suggeriert Wahrheit – selbst wenn ihr Fundament wackelig ist.


Das Muster dahinter

Die Hamas weiß genau, dass sie militärisch nicht gewinnen kann. Ihr einziges Schlachtfeld ist die öffentliche Meinung. Jede übertriebene Zahl, jeder dramatische Bericht ist Teil einer psychologischen Strategie: Israel soll nicht durch Waffen gestoppt werden, sondern durch internationalen Druck.

Und westliche Medien? Sie laufen Gefahr, zum Lautsprecher dieser Strategie zu werden, wenn sie die Herkunft der Zahlen nicht klar markieren.


Woran man saubere Berichterstattung erkennt

  1. Attribution: „…laut dem von Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium in Gaza.“
  2. Kontrastierung: Israelische Zahlen werden parallel genannt, Unterschiede offengelegt.
  3. Disclaimer: Seriöse Medien schreiben ausdrücklich „nicht unabhängig überprüfbar“.
  4. Korrektur: Wer Fehlinformation verbreitet, korrigiert sie sichtbar – wie im Fall Al-Ahli.

Fazit

Zahlen sind nicht neutral, wenn sie aus dem Mund einer Terrororganisation stammen. Wer sie zitiert, muss das kenntlich machen – so, wie man es auch bei ISIS, Al Qaida oder der RAF getan hätte. Alles andere ist fahrlässig.

Israel lebt in einer Realität, in der jede Zahl, jede Geschichte gegen es gewendet werden kann. Es ist höchste Zeit, dass Journalismus dies offenlegt – ohne Angst, ohne falsche Rücksicht.


Offensive auf Gaza Stadt – Humanitäre Katastrophe? Eine Analyse.

Gaza City Illustration

Stand: Ende August 2025

1. Gaza-Stadt zur „Combat Zone“ erklärt

Am 29. August 2025 erklärte Israel Gaza-Stadt offiziell zur „Kampfzone“ – eine militarisierte Zone, in der keine „taktischen Pausen“ mehr in Kraft sind. Das bedeutet das Ende der lediglich 10‑stündigen täglichen Unterbrechungen, die bislang Hilfslieferungen ermöglicht haben – mit schweren Folgen für die ohnehin von Hunger und Vertreibung geprägte Bevölkerung. Die UN warnt, dass eine Offensive die medizinische Versorgung – insbesondere bei Spitälern – halbieren könnte, und bis zu eine Million zusätzliche Menschen zur Flucht gezwungen werden. PBS+3Al Jazeera+3Al Jazeera+3AP News

Zudem meldete die IDF, dass sie zwei Geiselkörper bergen konnte, darunter Ilan Weiss. Laut offiziellen Angaben sollen von den 251 ursprünglich entführten Geiseln noch rund 50 in Gaza sein, etwa 20 davon noch am Leben. AP News+1


2. Vorstoß und Mobilisierung – Offensive konkret

Bereits seit dem 20. August befinden sich die „vorbereitenden Operationen“ im Gange: IDF-Truppen positionieren sich an den Rändern von Gaza-Stadt. Netanjahu genehmigte diese Offensive unter dem Namen „Operation Gideon’s Chariots II“ beziehungsweise „B“. Mehr als 60.000 Reservist:innen wurden mobilisiert – unter ihnen Einheiten der zentralen und nördlichen Militärkommandos. Ziel ist es offenbar, eine vollständige Kontrolle über die Stadt zu erlangen und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für neue Verhandlungen zu schaffen. Wikipedia+3Wikipedia+3The Times+3

Bereits im Mai lief eine Operation unter dem Codenamen „Gideon’s Chariots“ (Teil A) mit dem Ziel, drei Viertel des Gazastreifens zu kontrollieren. Laut IDF wurde dabei etwa ein Drittel des Streifens eingenommen. Zuletzt wurde auch der südliche Morag-Korridor eingerichtet, der Rafah von Kahn Younis trennt – strategisch zur Schwächung von Hamas-Kontrollzonen. Wikipedia


3. Humanitäre Bedingungen eskalieren

Gaza-Stadt leidet bereits unter einer akuten Hungersnot, die als von Menschen verursacht („man-made famine“) eingestuft wird. Die WFP meldet insbesondere Todesfälle bei Frauen und Kindern. Obwohl täglich hunderte LKWs Hilfslieferungen bringen, reicht das bei weitem nicht aus, um die Kollapsproduktion in Gaza auszugleichen. AP News

Der Druck steigt: Papst Leo XIV und UN-Generalsekretär António Guterres verurteilen das Vorgehen scharf – von „kollektiver Bestrafung“ ist die Rede, und internationale Institutionen befürchten Kriegsverbrechen und ethnische Vertreibung. Auch zahlreiche Staaten, darunter Deutschland und Großbritannien, sprechen sich gegen die Offensive aus. The TimesAP NewsDie Guardian+1Wall Street Journal


4. Fazit – Das Jahr 2025 als Schicksalsjahr für Gaza-Stadt

Die Offensive gegen Gaza-Stadt scheint unausweichlich: von der Rhetorik zum „schnellen Sieg“ bis hin zur Mobilmachung großer Truppenteile ist es nur noch ein Schritt. Doch logistische, militärische und politische Hindernisse wie die Aufrechterhaltung von Justiz- und Verhandlungsoptionen sowie Widerstand gegen den Angriff bergen Risiken – auch für die verbleibenden Geiseln.

Wegen der humanitären Lage zeichnet sich eine humanitäre Katastrophe ab – fast eine Million Menschen drohen obdachlos zu werden, die medizinische Infrastruktur kollabiert, und die Nahrungsmittelversorgung bricht unter dem Druck zusammen, während weltweit Proteste und diplomatische Spannungen zunehmen.

Weiterführende News:

Israel declares Gaza's largest city a combat zone as the bodies of 2 hostages are recovered

AP News

Israel declares Gaza’s largest city a combat zone as the bodies of 2 hostages are recovered

heute

Gaza Takeover Plan Exposes Constraints on Israeli Military

Wall Street Journal

Gaza Takeover Plan Exposes Constraints on Israeli Military

vor 20 Tagen

Friday briefing: Is Israel's plan for Gaza City a full-scale assault - or political theatre?

Die Guardian

Friday briefing: Is Israel’s plan for Gaza City a full-scale assault – or political theatre?

vor 7 Tagen

Wer herrschte über das Land, bevor es den Staat Israel gab?

Der Schild über Israel
  1. Unabhängige kanaanitische Stadtstaaten (ca. 2000–1200 v. Chr.)
  2. Die israelitische Stammeskonföderation (ca. 1200–1020 v. Chr.)
  3. Königreich Israel und Königreich Juda (ca. 1020–722 v. Chr. und bis 586 v. Chr.)
  4. Neubabylonisches Reich (586–539 v. Chr.)
  5. Achämenidisches Perserreich (539–332 v. Chr.)
  6. Reich Alexanders des Großen (332–323 v. Chr.)
  7. Seleukidenreich (323–141 v. Chr.)
  8. Hasmonäisches Königreich (141–37 v. Chr.)
  9. Römisches Reich (37 v. Chr. – 395 n. Chr., später als Provinz Syrien Palaestina)
  10. Byzantinisches Reich (395–614)
  11. Sassanidenreich (kurzzeitige Eroberung) (614–629)
  12. Rückkehr des Byzantinischen Reichs (629–638)
  13. Raschidun-Kalifat (arabisch-islamische Eroberung) (638–661)
  14. Umayyaden- und später Abbasidenkalifat (661–969)
  15. Fatimiden-Kalifat (969–1099)
  16. Kreuzfahrer-Königreich Jerusalem (1099–1291)
  17. Ayyubiden-Dynastie (Saladin) (1187–1260, teilweise parallel)
  18. Mamluken-Sultanat von Ägypten (1260–1516)
  19. Osmanisches Reich (1516–1917)
  20. Britisches Mandat für Palästina (1917–1948)

Fazit:
Auf diesem Stück Land herrschten in den letzten 4.000 Jahren viele Imperien, Dynastien und Mächte – doch ein unabhängiger Staat namens Palästina hat historisch nie existiert. Wer heute von einer „Wiederherstellung Palästinas“ spricht, beruft sich auf eine politische Fiktion, nicht auf eine souveräne staatliche Vergangenheit.

Hinweis aus aktuellem Anlass

Kurz vor Drucklegung dieses Buches griff Israel den Iran an, um dessen nukleare Infrastruktur zu vernichten.
Ich werde diese Ereignisse nicht erneut aufgreifen – das wäre ein anderes Buch.
Doch es gibt Stimmen, die den israelischen Präventivschlag für völkerrechtswidrig erklären. Bevor Sie urteilen, lesen Sie bitte die folgenden Zeilen.


Der Preis des Paradieses

Es gab eine Zeit, in der Kinderhände Granaten trugen.
In der Schulbänke sich leerten und Lastwagen füllten.
In der eine Regierung nicht nur mit Blut rechnete –
sondern mit der Zahl kleiner Leiber pro Quadratmeter Minenfeld.

Der Iran-Irak-Krieg war kein Krieg.
Er war ein gewaltiges Menschenopfer,
ein Altar aus Staub, Stacheldraht und Ideologie.
Und auf diesem Altar lagen Kinder.

Man nannte sie Basidsch.
Jungen, nicht älter als die Verse aus Schulheften,
manche kaum im Stimmbruch, viele noch mit Milchzähnen.
Man schickte sie in „menschlichen Wellen“ voraus,
unbewaffnet oft, bar jeder Strategie –
ihre Aufgabe: Minen zu räumen mit dem eigenen Körper.

Der Wind auf den Schlachtfeldern trug etwas Seltsames mit sich:
das leise Klingen billiger Plastikschlüssel,
goldfarben, aus Taiwan importiert,
um den Hals gebunden mit einem Versprechen:
Das Paradies öffnet sich für Märtyrer.

Die Kinder glaubten es.
Nicht weil sie dumm waren,
sondern weil sie indoktriniert, allein und arm waren.
Sie glaubten, dass sie mit einer Explosion Gott näher kommen,
und dass ihr Vaterland sie liebe,
obwohl es sie gerade in Stücke reißt.

Ein Staat, der seine eigenen Kinder in Stücke reißt.
Ein Staat, der statt Schulbüchern Sprengfallen verteilt,
statt Tränen Trost nur den Tod kennt,
und aus jedem Grab ein Propagandabild meißelt –
ein solcher Staat hat keinen Anspruch auf moralische Unversehrtheit.

Wer seine eigenen Söhne zu Sprengstoff macht,
der achtet das Leben nicht.
Nicht das der Kinder, nicht das der Mütter,
und schon gar nicht das derer,
die er in seinen Dogmen „Ungläubige“ nennt.

Wer solche Geschichte hat,
der sollte nie eine nukleare Zukunft bekommen.
Denn was nützt ein Schlüssel zum Paradies,
wenn der Mann, der ihn dir umhängt,
gleichzeitig den Zünder drückt?

Atomwaffen in den Händen derer,
die ihr eigenes Volk geopfert haben,
sind keine politische Frage –
sie sind ein Weckruf für die Menschheit.


Nüchterne Zahlen

  • Kinder im Einsatz: Ab 1980 schickte das iranische Regime – offiziell durch Ayatollah Chomeini genehmigt – mindestens hunderttausend Kinder unter 18 Jahren in den Krieg academic.oup.com+7en.wikipedia.org+7files.ethz.ch+7.
  • Kindersoldaten ab 9 Jahren: Berichtet wird von Kindern im Alter zwischen 9 und 16 Jahren, die als Minenräumer und „menschliche Wellen“ eingesetzt wurden .
  • Mate­rial‑Propaganda: Die „Plastikschlüssel“ – billig, importiert aus Taiwan – zirkulierten in großen Mengen unter den jungen Freiwilligen .
  • Todeszahl: Schätzungen gehen von zigtausenden bis hunderttausend gefallenen Kindern aus; die Zahl ist historisch nicht exakt belegbar, aber zahlreiche Zeitzeugenberichte und UN‑Dokumente bestätigen das Massensterben junger Soldaten .

Bevor man also jene verurteilt, die sozusagen präventiv einen Staat angreifen, der fähig ist, seine eigenen Kinder zu töten, sollte man sich überlegen, was dieser Staat erst recht mit Juden und „Ungläubigen“ macht, wenn er erstmal die Atombombe hat.

Israel, Iran und der Schatten der Eskalation – Warum Geschichte keine Vergangenheit ist

Der Schild über Israel

Ein Kommentar zur aktuellen Lage – und ein Blick zurück, der erklärt, warum die Gegenwart brennt.

13. Juni 2025: Die Welt schaut wieder einmal nach Israel – und diesmal auch nach Teheran. Raketen, Vergeltung, Drohungen, rote Linien. Was vor Jahren noch als „Schattenkrieg“ zwischen Geheimdiensten und Stellvertretern lief, ist heute ein offener, bedrohlich direkter Konflikt zwischen zwei Staaten, die einander längst zum historischen Feindbild erhoben haben.

Inmitten dieser Eskalation steht ein Land, das schon zu viele Kriege geführt hat. Und ein Regime, das sich seit Jahrzehnten dem Ziel verschrieben hat, diesen Staat auszulöschen – nicht nur rhetorisch.


🔥 Der aktuelle Anlass – und das, was darunter liegt

Was wir heute in Schlagzeilen lesen – Raketen aus dem Iran, gezielte Luftangriffe Israels, diplomatische Schockwellen bis nach Washington, Moskau und Peking – ist nur die sichtbare Spitze eines alten, glühenden Konflikts.

Der Hass des Mullah-Regimes auf Israel ist kein taktisches Manöver. Er ist ideologisch verankert im Weltbild der Islamischen Republik Iran seit 1979. Israel ist darin nicht einfach ein Gegner – sondern der „kleine Satan“, eine Existenz, die es zu tilgen gilt. Diese Doktrin wird täglich in Schulen, Moscheen und Medien vermittelt.

Israel wiederum sieht sich von der Hisbollah im Norden, der Hamas im Süden und iranischen Revolutionsgarden in Syrien eingekesselt von Zangen, die alle auf dieselbe Hand zurückführen: Teheran. Das Gefühl, von Feinden umgeben zu sein, ist kein paranoider Reflex – es ist ein strategischer Realismus, geformt durch Geschichte, Raketenhagel und Attentate.


📖 Die größere Geschichte – aus Verlorene Wahrheiten

In meinem Buch Verlorene Wahrheiten beschreibe ich, wie konstruierte Feindbilder, ideologische Dogmen und historisch gewachsene Ängste zu einer Dynamik führen, in der jeder Angriff nicht als Ausrutscher, sondern als Beweis für den Weltuntergang gedeutet wird.

Israel reagiert – und wird verurteilt. Der Iran droht – und wird analysiert.
Diese asymmetrische Empörung ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines tiefsitzenden westlichen Unverständnisses für die tatsächliche Bedrohungslage Israels.

Und zugleich ist sie ein Spiegel unserer eigenen Ohnmacht, wenn es um die Verteidigung westlicher Werte geht – in einer Region, in der Freiheit nicht mit Flugblättern, sondern mit Luftabwehrsystemen verteidigt wird.


⚖️ Warum diese Eskalation so gefährlich ist

Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran ist nicht mehr begrenzbar auf die üblichen Stellvertreterkriege. Wenn Teheran direkt angreift – wie zuletzt mit über 300 Drohnen und Raketen – dann testet es nicht nur Israels Abwehr, sondern auch die Entschlossenheit des Westens, seiner Alliierten und sogar seiner Feinde.

Gleichzeitig steht Israel unter enormem Druck: außenpolitisch, sicherheitstechnisch – und innenpolitisch durch eine Regierung, die selbst tief gespalten ist.

Ein Funke genügt. Und dieser Funke fliegt bereits.


📚 Was wir daraus lernen sollten

Was wir sehen, ist kein „neuer Krieg“. Es ist die Fortsetzung eines Konflikts, den die Welt zu lange als lokales Problem behandelt hat. Israel hat viele Fehler gemacht. Aber seine Existenz ist kein Fehler. Und seine Angst ist keine Paranoia – sondern eine Lektion, die aus Geschichte gelernt wurde.

„Nie wieder“ darf keine Floskel sein – auch nicht, wenn Raketen aus Teheran kommen.

In Verlorene Wahrheiten erkläre ich, warum genau dieser Satz in Israel keine Vergangenheit bedeutet, sondern eine tägliche Erinnerung daran ist, wachsam zu bleiben – ohne den Kompass zu verlieren.


🔗 Weiterführend:

DatumEreignis
1979Islamische Revolution im Iran – Israel wird offiziell zum „zionistischen Feind“ erklärt.
1982–2006Iran finanziert und bewaffnet die Hisbollah im Libanon – Beginn des Stellvertretermodells.
2000erIran beginnt mit intensivem Urananreicherungsprogramm. Israel warnt vor „Point of no return“.
2010–2020Israelische Geheimdienste (vermutlich Mossad) eliminieren gezielt Atomwissenschaftler.
2020Normalisierung zwischen Israel und arabischen Staaten (Abraham Accords) – Iran reagiert aggressiv.
April 2024Iran feuert über 300 Raketen und Drohnen direkt auf Israel – Iron Dome verhindert Massenschaden.
Mai 2024Israel schlägt massiv zurück, greift iranische Raketenbasen in Syrien und Irak an.
Juni 2025 JuniIsrael führt hochpräzise Luftschläge gegen iranische Atomanlagen in Isfahan, sowie gegen mutmaßliche IRGC-Führer in Teheran durch. Schäden bestätigt, Ausmaß geheim gehalten. Iran kündigt „Rache in Wellen“ an.

Westjordanland – Besetztes Land?

1. Ursprung in der UN-Resolution und der internationalen Anerkennung

Nach dem Sechstagekrieg von 1967 besetzte Israel das Westjordanland, den Gazastreifen, Ostjerusalem, die Golanhöhen und den Sinai. Seitdem gelten die von Israel gehaltenen Gebiete nach einhelliger Meinung der UNO (z. B. UN-Resolution 242) als besetzte Gebiete, weil sie nicht zum Staatsgebiet Israels gehören und militärisch kontrolliert werden.

Die UNO unterscheidet klar zwischen:

  • Israel im Sinne der Grenzen von 1949/1967
  • und den danach militärisch besetzten Gebieten.

2. Genfer Konventionen

Laut der Vierten Genfer Konvention ist es einer Besatzungsmacht untersagt, die eigene Bevölkerung in ein besetztes Gebiet umzusiedeln. Israel hat jedoch – insbesondere seit den 1970er Jahren – gezielt Siedlungen im Westjordanland gebaut und Israelis dort angesiedelt.

Kritiker argumentieren:

  • Dies verletze internationales Recht.
  • Es handele sich um eine Annexionspolitik in kleinen Schritten.

3. Palästinensische Autonomiegebiete und fehlende Souveränität

Obwohl durch das Oslo-Abkommen in den 1990er Jahren die Palästinensische Autonomiebehörde gegründet wurde, übt Israel in großen Teilen des Westjordanlands (Gebiet C = rund 60 %) weiterhin militärische und zivile Kontrolle aus. Diese Kontrolle wird von Kritikern als klassische „Besatzungsherrschaft“ beschrieben:

  • Einschränkungen der Bewegungsfreiheit
  • Checkpoints
  • Hausabrisse
  • Militärpräsenz in zivilen Zonen

4. Internationale Gerichtsbarkeit

Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat 2004 in einem Gutachten festgestellt, dass:

  • der Bau der israelischen Sperranlage („Mauer“) im Westjordanland völkerrechtswidrig sei.
  • die Siedlungen illegal seien, da sie auf besetztem Gebiet errichtet wurden.

5. Ostjerusalem als Zankapfel

Besonders heftig ist die Kritik an der Annexion Ostjerusalems:

  • Israel betrachtet ganz Jerusalem als seine „ungeteilte Hauptstadt“.
  • Die internationale Gemeinschaft erkennt dies nicht an.
  • Die UNO und die EU sprechen weiter von „besetztem Ostjerusalem“.

🔄 Gegenposition Israels:

Israel bestreitet, dass es sich beim Westjordanland um „besetztes Gebiet“ handelt. Argumente:

  1. Rechtshistorisch habe es nie einen souveränen palästinensischen Staat gegeben, daher könne es auch kein besetztes Land im Sinne des Völkerrechts sein.
  2. Das Westjordanland sei umstrittenes, aber nicht fremdes Territorium, das im Rahmen von Verhandlungen aufgeteilt werden müsse.
  3. Viele Siedlungen seien auf nicht privatem Land errichtet worden.
  4. Die Oslo-Verträge sähen eine schrittweise Lösung vor – also sei der aktuelle Zustand nicht rechtswidrig, sondern Folge ausstehender Verhandlungen.

Fazit:

Ob „besetzt“ oder „umstritten“ ist eine Frage des Narrativs und der Rechtsauffassung. Die meisten westlichen Staaten folgen der UNO-Definition: besetzt, mit Einschränkung Israels durch internationales Recht. Israel selbst verwendet bevorzugt den Begriff „umstrittene Gebiete“.

Warum viele das Westjordanland als „besetzt“ bezeichnen

  • UN-Resolution 242 (1967): fordert Israels Rückzug aus besetzten Gebieten.
  • Genfer Konventionen: verbieten den Transfer eigener Bevölkerung in besetzte Gebiete.
  • Internationale Gerichtshöfe: erklären Siedlungen und Sperranlage als völkerrechtswidrig.
  • Militärische Kontrolle: Israel kontrolliert große Teile (Gebiet C) direkt.
  • Ostjerusalem: wird trotz Annexion international weiterhin als „besetzt“ betrachtet.

Aspekt Internationale Sicht Israelische Sicht
Status des Gebiets Besetztes Gebiet Umstrittenes Territorium
Siedlungen Verstoß gegen Völkerrecht Legal auf nicht-privatem Land
Ostjerusalem Illegal annektiert Teil der unteilbaren Hauptstadt
Rechtsbasis UN-Resolutionen und Genfer Konventionen Historische Zugehörigkeit & Oslo-Verträge
Lösungsansatz Zwei-Staaten-Lösung mit Rückzug Verhandlungen mit Sicherheitsgarantien